24. AUGUST 2026
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CYBERMOBBING & MOBBING
Mobbing: Das kannst du tun

In der Beratung von 147 melden sich viele Kinder und Jugendliche, die Mobbing erleben. Valon (15): «Es hat mit Sticheleien von einzelnen Personen angefangen. Inzwischen ist die ganze Klasse gegen mich. Ich halte es nicht mehr aus, ich will nur noch weg von dieser Schule.» Levia (17): «Drei Mädchen in meiner Klasse sind richtig gemein zu mir. Sie reden schlecht über mich, lachen mich aus und verbreiten Lügen im Klassenchat. Ich habe schon alles versucht: ignorieren, mitlachen oder so tun, als würde ich nichts mitbekommen. Aber es hört einfach nicht auf.»
Vielleicht kommt dir das bekannt vor, weil du selbst betroffen bist oder mitbekommst, dass jemand in deinem Umfeld ausgegrenzt wird. Viele Betroffene fragen sich, warum niemand eingreift und warum es so schwierig ist, Mobbing zu stoppen. Die Antwort ist nicht einfach: Mobbing ist ein komplexes soziales Geschehen. Es entsteht schleichend und wird oft lange nicht als Mobbing anerkannt. Aus Scham oder Angst sprechen die Betroffenen die Gruppendynamik oft zu lange nicht an. Ein Gespräch allein reicht dann nicht aus, um das Geschehen zu beenden. Es ist ganz wichtig, mit allen Beteiligten in eine Auseinandersetzung zu gehen, sie längerfristig zu begleiten und sie bei der Lösungssuche zu unterstützen. Es braucht eine Null-Toleranz-Haltung gegenüber Mobbing − und das von allen Personen, auch von Erwachsenen. Um Mobbing zu stoppen, ist Wegschauen niemals eine Option.
Das Wichtigste in Kürze 👇
- Jede*r kann von Mobbing betroffen sein.
- Du bist nicht schuld, wenn du Mobbing erlebst.
- Mobbing verursacht enormes Leid.
- Mobbing hört nicht von selbst auf.
- Es ist wichtig, dass du dir Hilfe holst.
Was ist Mobbing? 💥
Mobbing ist eine besondere Form von Gewalt, bei der eine Person von anderen über längere Zeit wiederholt verletzt und ausgegrenzt wird. Mobbing kann in verschiedenen Formen auftreten:
- Du wirst gehänselt, ausgelacht, beleidigt oder bedroht.
- Du erhältst Hassnachrichten oder wirst erpresst.
- Du wirst geschubst oder geschlagen.
- Deine Sachen werden versteckt oder beschädigt.
- Du wirst ignoriert oder gezielt ausgegrenzt.
- Über dich werden Lügen oder Gerüchte verbreitet.
- Oder du wirst in anderer Form abgewertet, die hier nicht ausdrücklich aufgezählt ist.
Was ist Cybermobbing? 🌐
Cybermobbing ist eine Form von Mobbing, die in sozialen Netzwerken, Chats, Onlinespielen oder auf anderen Plattformen im Internet stattfindet. Dabei wird eine Person absichtlich beleidigt, blossgestellt, bedroht oder ausgegrenzt. Das kann zum Beispiel passieren, indem andere ihr verletzende Nachrichten schicken oder abwertende Kommentare posten, Gerüchte oder Lügen über sie verbreiten, private Fotos oder Videos veröffentlichen oder weiterleiten, Fake-Profile erstellen oder sie gezielt aus Gruppen und Chats ausschliessen. Da Cybermobbing rund um die Uhr stattfindet und sich durch das schnelle Teilen von Inhalten sehr weit verbreiten kann, ist es für Betroffene besonders belastend.
Streit, Konflikt oder Mobbing: Was sind die Unterschiede?
Streit oder Konflikte zu erleben ist normal. Das gehört zum Aufwachsen und zum sozialen Zusammenleben dazu. Bei einem Streit oder Konflikt geht es meistens um ein bestimmtes Thema, es gibt einen klaren Anfang und meistens auch ein klares Ende. Durch folgende drei Merkmale unterscheidet sich Mobbing von einem normalen Konflikt:
- Mobbing findet wiederholt über einen längeren Zeitraum statt.
- Bei Mobbing gibt es immer ein Machtungleichgewicht: Meistens richten sich mehrere Personen gezielt und absichtlich gegen eine einzelne Person.
- Bei Mobbing geht es nicht um eine Sache oder eine Meinungsverschiedenheit, sondern darum, jemanden zu verletzen, auszugrenzen oder fertigzumachen.
Welche Spuren hinterlässt Mobbing?
Für die Betroffenen ist Mobbing enorm belastend. Wir Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis, von unserem Umfeld akzeptiert zu werden. Wer immer wieder ausgegrenzt und abgewertet wird, erlebt andauernden Stress. Die Betroffenen fühlen sich traurig, erschöpft, hilflos oder auch wütend. Viele schlafen schlecht und können sich nicht konzentrieren, weshalb sich die Leistungen verschlechtern. Viele gemobbte Personen zweifeln an sich, versuchen sich unsichtbar zu machen oder ziehen sich komplett zurück. Mobbing kann so weit gehen, dass es zur Qual wird, zur Schule zu gehen, und sogar Suizidgedanken aufkommen. Letztlich leiden alle Personen, die Teil einer Mobbingstruktur sind. Diese Dynamik ist belastend und bringt Angst und Hilflosigkeit mit sich.
🔗 «Fettsack!» – Wie Mobbing Kinderseelen bricht (Video von SRF Puls)
🔗 Mobbing – Ausgrenzung bis zum Suizid (Video von SRF rec.)
Wie entsteht Mobbing und warum kommt es so oft vor?
Studien zeigen, dass Mobbing in fast jeder Schulklasse vorkommt. In der PISA-Studie 2018 gaben 13 Prozent der 15-Jährigen an, dass andere sich wiederholt über sie lustig machten. 11 Prozent berichteten, dass immer wieder gemeine Gerüchte über sie verbreitet wurden, und 7 Prozent wurden wiederholt bedroht.
Mobbing beginnt oft mit einer Stichelei oder einem blöden Spruch. Solche Situationen kommen vor und sind noch kein Mobbing. Problematisch wird es, wenn dieselbe Person immer wieder zur Zielscheibe wird. Schleichend entsteht eine Dynamik, bei der immer mehr Personen mitmachen. Andere dulden die Vorkommnisse stillschweigend. Aus einer solchen Dynamik kann schnell Mobbing entstehen.
Beim Mobbing lassen sich verschiedene Rollen unterscheiden:
- mobbende Personen (Täter*innen, Mittäter*innen)
- gemobbte Person (Opfer bzw. «Zielscheibe»/Betroffene*r des Mobbings)
- Zuschauende (Mitwissende, Mitläufer*innen, Zeug*innen, Bystander)
- eingreifende Personen (Upstander)
Mobbing wird aus verschiedenen Gründen initiiert, unterstützt und toleriert: Die Personen, die mobben, versuchen damit oft, ihre eigene Schwäche oder Unsicherheit zu überspielen. Sie merken manchmal gar nicht, wie verletzend ihr Verhalten ist. Viele Zuschauende haben Angst, selbst ausgegrenzt zu werden, wenn sie sich für die betroffene Person einsetzen würden. Sie unterstützen oder tolerieren das Mobbing, weil sie dazugehören oder bei der mobbenden Gruppe gut ankommen wollen.
Wichtig: Niemand wird gemobbt, weil mit ihm oder ihr etwas nicht stimmt. Jede Person kann zur Zielscheibe von Mobbing werden. Die Verantwortung liegt immer bei den mobbenden Personen!
Du kannst nichts dafür ‼️
Viele gemobbte Personen suchen den Fehler bei sich. Doch Untersuchungen zeigen, dass es keine typischen Persönlichkeitsmerkmale gibt, die gemobbte Personen auszeichnen. Egal wie du aussiehst, welche Kleidung du trägst oder wie du dich verhältst: Du bist nicht schuld an dem, was passiert, und du kannst nichts dafür.
Betroffene verharmlosen oder verheimlichen die Geschehnisse oft aus Angst, dass sie nicht ernst genommen werden oder es schlimmer werden könnte. Das ist verständlich. Verständlich ist auch, wenn du dich traurig fühlst, wütend bist oder dich schämst. Doch schämen sollten sich vor allem die mobbenden Personen. Denn Mobbing ist niemals akzeptabel!
❤️🩹 Du bist wertvoll, liebenswert und gut, so wie du bist. Versuche, dich innerlich von den verletzenden Aussagen zu distanzieren – sie sagen nichts über dich aus. Oft haben die Personen, die mobben, selbst Probleme. Das entschuldigt ihr Verhalten nicht, kann es aber erklären.
Wie kann Mobbing gestoppt werden?
Mobbing ist kein Problem zwischen zwei Personen, sondern ein Problem einer ganzen Gruppe. Es kann nur entstehen und bestehen bleiben, wenn andere mitmachen, mitlachen oder wegschauen. Entsprechend braucht es auch mehrere Menschen, um Mobbing zu stoppen. Und manchmal gelingt dies nur durch das Eingreifen von Aussenstehenden – zum Beispiel von Freund*innen, Lehrpersonen, Eltern oder anderen Vertrauenspersonen.
Deshalb ist es so wichtig, dass du dir als betroffene Person Hilfe holst. Warte damit nicht zu lange: Mobbing lässt sich oft besser stoppen, wenn es früh erkannt und ernst genommen wird.
Tipps für Betroffene: Das kannst du bei Mobbing tun
Mobbing hört selten von alleine auf. Und als gemobbte Person kannst du alleine meistens wenig dagegen ausrichten. Das bedeutet jedoch nicht, dass du Mobbing hinnehmen musst. Im Gegenteil, du solltest dir unbedingt Unterstützung suchen.
✔️ Bleib nicht allein. Rede mit deinen Eltern oder mit anderen Vertrauenspersonen über die Vorkommnisse. Es erfordert Mut, sich anderen anzuvertrauen, aber es ist ein wichtiger Schritt. Schweigen hilft nur den mobbenden Personen. Deine Eltern oder eine andere Vertrauensperson können dich dabei unterstützen, Hilfe zu holen.
✔️ Hol dir Hilfe. Bitte eine*n Freund*in, ein Elternteil oder ein anderes Familienmitglied um Unterstützung. Wende dich an eine Lehrperson, die Schulsozialarbeit, den schulpsychologischen Dienst, eine*n Trainer*in oder eine andere erwachsene Person. Hilfe holen ist kein Petzen: Es ist dein gutes Recht, dich selbst zu schützen. Und es hat nichts mit Schwäche zu tun. Im Gegenteil: Es erfordert Mut, Mobbing anzusprechen.
✔️ Dokumentiere das Geschehen. Führe ein Mobbing-Tagebuch und notiere dir, was wann passiert ist oder gesagt wurde. Damit kannst du belegen, dass es sich nicht um einen einfachen Konflikt oder eine harmlose Belästigung handelt, sondern dass du gezielt von einer oder mehreren Personen gemobbt wirst. Bei Cybermobbing kannst du Screenshots machen.
✔️ Plane die Lösung. Überlege gemeinsam mit einer erwachsenen Person, welche Lösungsschritte möglich sind. Bitte die Vertrauensperson, zunächst noch nichts zu unternehmen. Es kann sinnvoll sein, dass diese Vertrauensperson zuerst in eine beobachtende Rolle geht. Gemeinsam könnt ihr dann besprechen, was zu tun ist, oder euch auch an eine Fachstelle wenden (zum Beispiel Schulsozialarbeit, Jugendberatung, Mobbing-Fachstelle oder 147). Du bestimmst den richtigen Zeitpunkt für ein aktives Eingreifen.
✔️ Gib nicht auf. Leider sind manchmal auch Erwachsene von Mobbing überfordert oder sie unterschätzen die Dynamik. Es kann deshalb sein, dass du dich an eine höhere Stelle wenden musst, etwa an die Schulleitung, oder dass es mehrere Anläufe braucht, bis sich etwas verändert – besonders wenn das Mobbing schon längere Zeit andauert. Es braucht dann oft mehrere Gespräche und eine längere Begleitung, um die Mobbingstruktur aufzulösen.
🔗 Das kannst du gegen Mobbing tun (Video von SRF Kids News)
Tipps für Zuschauende: So kannst du Betroffene unterstützen
Mobbing betrifft alle in der Gruppe, auch wenn nicht alle gleich stark daran beteiligt sind. Alle müssen aktiv werden oder brauchen Hilfe, damit das Mobbing aufhören kann. Zuschauende (unbeteiligte Zeug*innen) spielen dabei eine Schlüsselrolle: Ihr Verhalten entscheidet oft darüber, ob das Mobbing weitergeht oder aufhört. Durch aktives Eingreifen kann die Gruppendynamik durchbrochen werden.
So wirst du vom «Bystander» zum «Upstander»:
✔️ Mach nicht mit. Kein Applaus für die mobbenden Personen. Lache nicht über verletzende Witze, verbreite keine Gerüchte und teile keine beleidigenden Nachrichten oder Bilder. Auch mitlachen ist mitmachen. Brich den Kreislauf und zeige deinem Umfeld: Mobbing ist nicht okay.
✔️ Schau nicht weg. Wegschauen hilft den mobbenden Personen. Auch Schweigen wirkt wie Zustimmung. Dein Hinschauen und Eingreifen macht einen Unterschied.
✔️ Sag etwas dagegen. Ein einfacher Satz wie «Lass das, das ist nicht okay» reicht oft schon, um die Dynamik zu stoppen. Oft warten andere nur darauf, dass jemand den Anfang macht.
✔️ Zeige dich solidarisch. Unterstütze die betroffene Person und zeige ihr, dass du auf ihrer Seite bist. Sprich sie an und frag: «Alles okay bei dir?»
✔️ Hol dir Hilfe. Wenn du siehst, dass jemand fertiggemacht wird, informiere eine Lehrperson oder eine andere erwachsene Vertrauensperson. Das ist kein Petzen, sondern Zivilcourage.
💡 Wenn du unsicher bist, kannst du gemeinsam mit der betroffenen Person oder auch alleine bei 147 Rat holen, um mögliche Strategien zu besprechen.
Das kannst du tun, wenn du selbst andere mobbst 📝
Vielleicht hast du jemanden verletzt, ausgeschlossen oder im Klassenchat über eine Person gelästert. In eine solche Rolle zu geraten, kann jeder Person passieren. Entscheidend ist, dass du Verantwortung für dein Verhalten übernimmst und es änderst.
✔️ Reflektiere dein Tun. Überlege, wie sich dein Verhalten auf die andere Person auswirkt: Wie würdest du dich fühlen, wenn jemand so mit dir umgeht?
✔️ Höre auf damit. Mache nicht weiter mit Beleidigungen, Ausgrenzung oder Gerüchten. Lass dich auch nicht von der Gruppe mitreissen.
✔️ Bleib beim klaren Nein. Eine ehrliche Entschuldigung kann ein erster Schritt sein. Wichtig ist aber vor allem deine klare Haltung gegen unfaires Verhalten.
Weitere Informationen und Tipps
🔗 Mein Kind wird gemobbt – Hilfe bei Mobbing für Eltern (Tipps von Pro Juventute)
🔗 Hilfe bei Mobbing (Fachstelle für Schulen und Eltern)
🔗 Thema Mobbing: Was können Lehrpersonen tun? (Informationsbroschüre)